Christof Seiffert - Altbaurestaurierung & Altbausanierung, Denkmalschutz
 

Villa Romenthal

Dießen am Ammersee
1901
Denkmalgeschützt

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Vorgeschichte zur Restaurierung

Die Villa war jahrzehntelang unbewohnt. Intensiver Baumbewuchs hatte sie stark durchfeuchtet. Durch das untere Geschoss floss Wasser, dort hüpften die Frösche.

Der verwahrloste Zustand von Gebäude und Grundstück war wohl der Grund, dass niemand die Villa, die etwa ein Jahr zum Verkauf angeboten wurde, kaufte. Als ich die Villa 1994 entdeckte, entschied ich mich spontan zum Kauf, um sie vor dem Abriss zu retten.

Die Entscheidung fiel mir nach nur wenigen Minuten leicht. Die extrem gute, massive Bausubstanz, die 60 cm starken Außenmauern aus bestem Beton im Sockelbereich, die gut dimensionierten Gewölbe- und Betondecken darüber, die 45 cm starken Außenmauern in Ziegel in den übrigen Geschossen, der gut dimensionierte Dachstuhl und generell die gute Architektur und Lage stellten einen beständigen Wert dar. Es war sichtbar, dass vom Grafen von Schaumburg nur das Beste gewünscht wurde und Geld keine Rolle spielte. Dies zeigte sich in jedem Detail bis zu den großzügigen Dimensionen der Räume. Eine derart hohe Qualität habe ich bei meinen gut 100 restaurierten Häusern noch nicht erlebt.

Die Villa kam mir vor, als wäre sie unter all dem wuchernden Grün im "Dornröschenschlaf" versunken. Ich konnte sie bedenkenlos kaufen. Die Villa war unmittelbar vor München, nah an einem der schönsten Seen Bayerns, in einem der bedeutensten Kulturlandschaften Deutschlands, dem "Pfaffenwinkel". Märchenhaft die ungestörte Lage am kilometerweiten Landschaftsschutzgebiet mit Wildbestand und die unmittelbar angrenzende kleine Barockkirche von Michael Fischer, der auch das Marienmünster in Dießen baute.

Da störte es mich nicht, dass wie bei jeder Restaurierung jeder Millimeter Haus und Grundstück bearbeitet werden mußte. Auch die Frösche im unteren Geschoss konnten mich nicht vom Kauf abhalten.

Restaurierung

Die beiden Hauptgeschosse mit je etwa 180 qm wurden im Grundriss (bis auf neues Bad und 2 WC) unverändert gelassen.

Im unteren Geschoss mit Gewölben, das vom Grafen als Lager für Wein und Speisen und für die Pflanzen im Winter genutzt wurde, ließ ich neben drei großen Wohn- bzw. Büroräumen Küche und Bad einbauen.

Der Speicher wurde ein einziger 120 qm großer, firsthoher Atelierraum. Für eine spätere Nutzung als abgeschlosene Einheit wurden sämtliche Hausanschlüsse für den Einbau einer offenen Küche im Wohnraum, eines Bades und Schlafzimmers vorgesehen.

Die gesamte Haustechnik wurde unauffällig mit besten Materialien nach neuestem Stand so erneuert, dass jederzeit vier separate Wohnungen oder Büros gebildet werden können. Dafür wurden jeweils getrennte Elektro- und Alarmleitungen und geschweißte Heizungsrohre in jedes der vier Geschosse verlegt. Dies erlaubt z.B. die genaue Ablesung des Energieverbrauchs eines jeden Geschosses im Heizungskeller und erübrigt Verdunstungszähler an jedem Heizkörper. Ansonsten Ölheizung, 10.000 Liter Erdtank in Kunststoff, Edelstahlrohre, elektronische Kalt- und Warmwasserzähler. Sogar zu den bestehenden Rolladenkästen ließ ich schaltbare Elektroanschlüsse verlegen.

Wegen der möglichen Aufteilung der Villa in vier separate Einheiten legte ich größten Wert auf Schallschutz zwischen den Geschossen. Die beiden Holzbalkendecken wurden freigelegt, überarbeitet und verstärkt. Zur Verbesserung des Tritt- und Luftschallschutzes ließ ich in jedes der vier Geschosse schwimmenden Zementestrich auf Trittschalldämmplatten (Mineralfaser) und an der Unterseite der Holzbalkendecken zusätzlich Federschienen und Mineralfaserplatten einbauen.

Die belle etage im Hochparterre und das Obergeschoss wurden durch Abbruch späterer Wände und Einbauten sowie durch konsequente Restaurierung und Rekonstruktion in das herrschaftliche Leben zurückversetzt.

Entscheidend für das Lebensgefühl sind die hohen, weitläufigen Räume, verbunden durch schloßartig große, zweiflügelige Schiebe- und Flügeltüren, die filigranen Kastenfenster, das Fischgrätparkett mit breiten Friesen und hohen, profilierten, weiß lackierten Fußleisten, die Gußheizkörper, alten Beschläge an Fenstern und Türen, das originale Treppenhaus und der mineralische, handaufgetragene Dreilagenputz im Inneren und an der Fassade.

Nach der Restaurierung begegnet uns die italienisch anmutende Villa unaufdringlich, selbstverständlich als einheitliches historisches Gebäude, als Beispiel privater, adeliger Lebenskunst um 1900.

Die Restaurierung dauerte etwa 20 Monate. Während der achtjährigen Mietzeit trat ein Mangel an zwei Balkonen und an zwei Stuckprofilen auf, die von meinen Firmen behoben wurden.

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